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Da bin ich mit meinem zweiten Reisebericht.
Schoen, dass meine Fotos fuer so viel Erheiterung gesorgt haben (Die Frage
nach dem gruenen Teletubby mit Kinnbart fand ich besonders klasse!), aber
mit mehr Fotos werde ich nicht nerven, bevor ich wieder da bin, weil das
Hochladen in den Internetcafes hier doch etwas schwierig ist.
Wer keinen Bock auf grosse Stories hat, der kann einfach zum letzten grossen
Absatz gehen, wo ich noch eine schoene Amerikanerstory zum Besten geben
kann.
Nach meiner letzten mail aus Nicaragua hat es mich noch auf eine Vulkaninsel
verschlagen, wo u.a. auch dieses seltsame Foto von mir entstanden ist. Es
faellt uebrigens wirklich auf, dass Nicaragua noch billiger ist als Costa
Rica. Vielleicht als Vergleich zu europaeischen Verhaeltnissen, ich habe
alleine fuer ein Doppelzimmer in einem ziemlich guten Hotel 4 Dollar
bezahlt. Was diese Laendern uebrigens zu Bananrepubliken macht, ist die
Tatsache, dass man hier Bananen ab 2 Cent kaufen kann.
Ansonsten finde ich es mitunter vor allem erschreckend, wie man hier mit
Muell umgeht. "The Central America Way" ist es, im Bus einfach das Fenster
aufzumachen und den Muell rauszuwerfen. Besser ist es da in Nicaragua, wo
der Muell brav in einer Plastiktuete gesammelt wird....und diese
anschliessend komplett aus dem Bus geworfen wird. Unclever ist es uebrigens,
wenn der Nebenmann waehrend einer Passkontrolle (die ich kurz hinter der
Grenze zurueck in CR oefter erlebt habe) seine Bananschale aus dem stehenden
Bus wirft...und zwar einem Polizisten mit MP im Anschlag direkt an den Kopf.
Da war es dann auch nicht mehr mit einem Laecheln getan und der wild
fuchtelnde Mann mit der Waffe draussen liess mich kurz an meiner physischen
Integritaet der naechsten Sekunden zweifeln, aber er beruhigte sich dann
auch dankenswerterweise.
Was mir hier sonst noch aufgefallen ist, ist die Fussballbegeisterung,
allerdings sind die Stadien bei Uebertragungen im Fernsehen immer fast leer,
ich nehme an, dass sich die meisten Ticos es einfach nicht leisten koennen.
Dafuer sind sie unheimlich wild darauf, sich fuer die WM zu qualifizieren.
In einem meiner Orte, war meine Unterkunft direkt neben dem Fussballplatz
und als man mich zum "Mittrainieren" einlud, wollte mich der Trainer gleich
fuer das Spiel am Abend verpflichten (Er kam mit Trikot und Hose an und
sagte nur "Heute Abend um 8, hier!"), weil ich einen Gluecksschuss aus 16
Metern in den Winkel gesetzt habe. Dafuer wurde ich von allen gleich mal
"Juergen" genannt, weil ihnen bei meinen blonden Haaren kein anderer
Vergleich als zu Klinsmann einfiel. :-)
Ansonsten heisse ich hier primaer "Funny german guy" oder wahlweise "Fifty
plus", weil die meisten Leute noch nie meinen Lichschutzfaktor 50+ gesehen
haben. :-) Aber so lang es mir hilft, wuerde ich mir auch Alpina Weiss auf
den Arm schmieren, aber ich erwarte natuerlich trotzdem von allen den Spruch
"Ich denke du warst im Urlaub!". :-)
So, bevor es jetzt total ausartet, hier nun die versprochene Amistory:
Es gibt in Costa Rica einen Ort, von dem ich waehrend meiner Reise von
mehreren Leuten schon gehoert habe, dass ihnen dort etwas geklaut wurde. Am
Busbahnhof muss man also etwas aufpassen, vor allem, wenn etwas Gedraenge
dort ist. Das beherzigen die meisten auch, nur eine Gruppe von, sagen wir
mal, 10 Highschool Reservercheerleadern hat das nicht so ganz begriffen,
denn sie stehen dumm rum und eine von ihnen steht mitten im Bahnhof und
zaehlt in aller Ruhe 100 Dollarscheine. Im Prinzip wartete ich nur darauf,
dass etwas passiert unn schneller als erwartet griff ein kleiner Tico
beherzt zu und zockte die ganze Geldtasche. Die Maedels waren so
ueberrascht, dass sie nicht mal schreien konnten (Oh, wie sehnte ich mich
spaeter nach diesem Zustand!). Auf jeden Fall lief er mit der Beute in meine
Richtung, aber ich konnte schlecht eingreifen, da ich mit zwei Rucksaecken
an Ruecken und Bauch einfach etwas unbeweglich war. Ich hatte aber gerade
meine Wasserflasche angesetzt und wagte mal einen behrzten Wurf...und traf
ihn sogar. Er stolperte und zwei Leute nahmen ihm flugs die Geldtasche ab.
Der Junge haute ab, aber das interesseirte nicht wirklich. Bis hierhin war
alle in Ordnung: trockener Wurf, kurz hoch, aus der Bedraengnis, Reflexe in
Ordnung, alles richtig gemacht, Micha!
Doch dann fing die Qual an. Zu erst musste ich mich dieser Gruppe nun
kreischennder Maedels erwehren bzw. ihre unbaendige Dankbarkeit ertragen.
Alle umarmten mich erstmal jeweils eine halbe Minute, als ob ich gerade ihre
Zwillinge per Kaiserschnitt schmerzfrei zur Welt gebracht haette. Danach
begriff ich auch, warum sie alle so dankbar waren, denn das eine Maedel
hatte 80% der Reisekasse von allen und saemtliche Flugtickets...wie man das
halt macht, wenn man zusammen reist. (Das Maedel mit Hirn fuer alle war wohl
noch in den USA oder gar nicht geboren.)
Die richtige Tortur begann aber erst als ich den Bus bestieg, denn sie
hatten leider das selbe Ziel....und umzingelten mich. Dann taten sie etwas
wirklich verwerfliches, denn sie fuehrten "Gespraeche" mit mir, die
ungefaehr folgendermassen klangen:
<beliebigen Namen eines US-Girls einsetzen>: That was cool with the bottle.
Micha: Thanks, I'll do my best.
G: Where are you from?
M: Germany.
G: ???
M: You know, the capital of Berlin. (Okay, das musste ich nur zwei mal sagen)
G: Ahhh, I like Germany. (Jep, vor allem mit French Fries und viel Ketchup, nehme ich an.)
G: I have a friend in Germany, he lives in Amsterdam. (Ah ja, ist klar!)
G: What's your name?
M: Michael.
G: That's a cool name. I have a friend called Michael. (Wieso hatte ich das nur erwartet?)
Nun ja, so oder aehnlich musste ich nun 8(!) mal diese "Kommunikation"
gestalten, denn jedes mal wenn mich eine fragte, drehten sich alle anderen
weg, um anschliessend die selben Fragen nochmal stellen zu duerfen. (Der
Ausspruch eines in der Naehe sitzenden Kanadiers "Germans were always
reliable when it's up to shoot other people." zeugte wenigstens noch von
etwas historischem Weitblick.)
Es gipfelte dann in der Frage, welche Sprache wir in Deutschland eigentlich
sprechen. Kurz ueberlegend, ob ich dem Gedanken der Aufklaerung folgen
sollte entschied ich mich dann aber doch fuer "Some kind of weired english
accent." was ihr auch sehr logisch schien "Ah, yeah, that's why yor english
sounds so strange." Nun ja, denke, wem Verstand gegeben.
Ich weiss gar nicht, warum die Hoelle immer mit Feuer beschrieben wird, fuer
mich hatte sie vier Raeder und deutlich zu wenig graue Zellen fuer zu viele
Koepfe.
Merke fuers naechste mal: Lass der Verteilung des Reichtums von Norden nach
Sueden einfach ihren Lauf oder warte bis Springbreak, da kriegst du
wenigstens noch was fuer deine Leistung. :-)
Okay, nach so viel "lustigen" Geschichten lasse ich euch jetzt auch endlich
in Ruhe und freue mich ueber meine letzte Woche an der Karibikkueste (Es
stinkt hier wirklich ueberall nach Kiffe!) und vielleicht abschliessend
ueber die Vulkane Nr. 5 und (vielleicht) 6.
Viele Gruesse und bis bald!
Michael