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Wenn ich die Reise geknickt haette, waer ich auf Kosten von knapp 450 Euro
sitzen geblieben, wobei ich die Kosten fuer die Impfungen und den Pass
wenigstens ueber 10 Jahre haette abschreiben koennen. :-) Aber die 200 Euro
Stornogebuehr fuer die Tickets haben mich dann doch dazu bewegt, "den Arsch
hochzukriegen" (O-Ton meines Bruders ;-) und den Trip alleine zu machen und
bislang habe ich noch nicht eine Minute bereut!
Vielleicht vorne weg mal etwas ganz kurz ueber das Land: Costa Rica ist
ungefaehr so gross wie Niedersachsen, hat aber ein paar mehr Vulkane, ein
paar mehr Straende an ein paar mehr Ozeanen und ein paar mehr Regenwaelder.
Diese drei Sachen sind es auch, die den groessten Reiz fuer Touristen
ausmachen, da es viele ziemlich einzigartige Nationalparks gibt, die es zu
durchwandern gibt. (Wer mehr ueber das Land wissen moechte, kann sich das
hier mal ansehen (Wikipedia) oder ich langweile
ihn anschliessend mit meinen tausenden Digitalfotos zu Tode :-)
Fuer Backpacker (wie ich es jetzt auch bin :-) sind die Voraussetzungen
ziemlich ideal, denn es gibt ein ziemlich gut ausgebautes Busnetz (Die
Eisenbahn wurde nach einem Erdbeben vor nicht allzu vielen Jahren nicht mehr
aufgebaut), wobei das Reisen mit dem Bus als solches auch etwas anderes ist
als wir das aus Deutschland kennen. Es gibt recht moderne Busse (bei der
Klimanlage heute im Bus habe ich mich bei 28 Grad Aussentemperatur ganz
zielsicher erkaeltet), aber hier fahren auch diese klassischen
amerikanischen gelben Schulbusse herum. (Fuer Leute wie ich, die noch nicht
in den USA waren: Sie sehen wirklich so aus wie wir das von den Simpsons
kennen ;-) . Die zu ueberbrueckenden Strecken sind auch nicht sehr gross,
allerdings erreicht man selten einen Schnitt von ueber 40 km/h, da die
meisten "Strassen" einen Dauertest fuer jedes Chassis darstellen.
Los gehts meistens morgens um 6 und dann faehrt man 2 - 8 Stunden, um an
sein Ziel zu gelangen. Generell startet ein Tag hier etwas frueher, da es ab
6 hell ist um ca. 17:30 wieder dunkel. Erstaunlicherweise macht mir das
fruehe Aufstehen aber relativ wenig Probleme, obwohl ich ein grosses
Schlafdefizit haben muesste.
Ansonsten sieht es fuer mich hier so aus, dass ich von Nationalpark zu
Nationalpark reise und ab und zu einen Abstecher an irgendeine Kueste mache.
Costa Rica liegt netterweise am Atlantik und Pazifik, so dass man auch fuers
Baden und Surfen ideale Voraussetzungen hat.
Heute bin ich sogar nach Granada in Nicaragua gefahren, von wo ich auch
diese mail hier schreibe. Vermutlich werde ich noch ein paar Tage hier
bleiben und eine "Doppelvulkaninsel" im Laguna Nicaragua besuchen, bevor ich
wieder zurueck nach Costa Rica reise.
BTW, Nicaragua generell ist nicht so unsicher wie immer behauptet wird. Wer
"Bombenstimmung" erleben will, der ist momentan in Bagdad oder Jerusalem
wohl "besser" aufgehoben, aber wild um sich schiessende Sandinisten rennen
hier jedenfalls nicht rum. Falls ich es in den naechsten Tagn doch in die
Tagesschau schaffe, war ich wohl zu optimistisch. :-)
Die Sicherheitsproblematik ist ohnehin nicht ganz so gross wie immer
behauptet, aber natuerlich heisst es "Watch your back and watch your bag!".
Als latent paranoidem Deutschen, der ohnehin alle 10 Sekunden fuehlt, ob das
Geld noch da ist, ist mir bislang aber noch nichts passiert. :-)
Vielleicht noch etwas zu den Leuten hier. Da waeren erstaunlicherweise
zunaechst die Einheimischen, die sich selbst Ticos und Ticas nennen (Bitte
selbst nachschlagen, welches die maennliche und welches die weibliche Endung
ist! ;-) und die auch ziemlich freundlich sind. Ich habe leider noch nicht
so viel von der Lebensart mitbekommen, aber es ist generell so, dass man
hier alles eher mit einem Laecheln nimmt ("Relax, man!"). Vermutlich wird
man hier auch mit nem Laecheln vom Auto ueberfahren, aber das wollte ich
nicht verifizieren. :-)
Die Ticas sehen uebrigens meistens recht gut aus, auch wenn eine latente
Tendenz zur Breitarschigkeit besteht, aber vielleicht ist das nur der US
amerikanische Einfluss. :-)
Mehr zu tun habe ich "logischerweise" mit den Touris hier, was bislang auch
nur dazu gefuehrt hat, dass ich mein Franzoesisch und Englisch verbessern
konnte, mein Spanisch liegt leider immer noch ziemlich brach, aber ich
arbeite daran.
Wenn man Europaeer trifft, sind diese mit 90%iger Sicherheit Schweizer. KA,
warum die alle hierher kommen (CR gilt zwar auch als die "Schweiz
Mittelamerikas", aber das bezieht sich eher auf die Neutralitaet), aber ich
habe schon sehr viele getroffen. Ansonsten gibt es hier viele Kanadier und
natuerlich Amis. Letztere kann man sehr gut in drei Gruppen einteilen.
1. Backpacker: meist recht freundlich, informiert, interessiert und
bekennende Bush-Hasser :-)
2. Leute "mittleren Alters", die mindestens schon zum dritten mal hier sind:
meist freundlich, etwas oberflaechlich, aber harmlos
3. Leute jenseits der 60, die in ganzen Busladungen zu irgendwelchen Parks
gekarrt werden und jedes Klischee eines daemlichen Amis bestaetigen.
Wenn man aber nur etwas abseits der klasschichen Touriwege unterwegs ist,
trifft man fast nur nettes Volk aus allen Herren Laendern, was einen
betraechtlichen Teil des Spasses dieses Urlaubs fuer mich ausmacht.
Die obligatorische Frage nach dem Wetter will ich nicht aussen vor lassen.
Es gibt hier keine Jahreszeiten, sondern nur Regen- und Trockenzeit, wobei
momentan gerade letztere herrscht und damit auch die Hauptreisezeit. An den
Kuesten ist es grundsaetzlich heiss, menchmal auch sehr heiss. Ich war
bislang im Landesinneren etwas hoeher und im Regenwald, wo es mir bei ca. 20
Grad ziemlich gut ging, aber an den Straenden werde ich bluten...schwitzen
muessen. Lichtschutzfaktor 50 wird hoffentlich der Freund sein, der die
Folgen in Grenzen halten kann.
Soviel erste Eindrucke bis hierhin, beim naechste mal melde ich mich wohl
wirklich mal aus CR und erzaehl, was mir bis dahin passiert ist.
Vielen Dank nochmal an alle, die mir so kurzfristig geholfen haben oder
helfen wollten, das aber nicht mehr konnten, weil ich schon "fully equipped"
war. Ist echt ein schoenes Gefuhl, so viel spontane Hilfsbereitschaft in
meiner Umgebung vorzufinden!
Danke an Mareike, denn dank ihr habe ich den laengsten....Rucksack,
zumindest faellt er immer etwas auf und macht das Wiederfinden leichter.
Danke auch an Christian, denn mit dem Ladegeraet kann man sogar Frauen
aufreissen ("Ah, my battery charger does not work." "You wanna use mine?"
"Oh, thanks, what's your name?"...schon zwei mal erlebt. :-)))
Aber auch Danke an alle anderen, die mich ausgestattet haben und fuer die
guten Wuensche usw.!
Viele Gruesse!
Micha aka Shorty (4 some of U :-)