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Reisebericht vom 15.02.05

Wenn ich die Reise geknickt haette, waer ich auf Kosten von knapp 450 Euro sitzen geblieben, wobei ich die Kosten fuer die Impfungen und den Pass wenigstens ueber 10 Jahre haette abschreiben koennen. :-) Aber die 200 Euro Stornogebuehr fuer die Tickets haben mich dann doch dazu bewegt, "den Arsch hochzukriegen" (O-Ton meines Bruders ;-) und den Trip alleine zu machen und bislang habe ich noch nicht eine Minute bereut!

Vielleicht vorne weg mal etwas ganz kurz ueber das Land: Costa Rica ist ungefaehr so gross wie Niedersachsen, hat aber ein paar mehr Vulkane, ein paar mehr Straende an ein paar mehr Ozeanen und ein paar mehr Regenwaelder.
Diese drei Sachen sind es auch, die den groessten Reiz fuer Touristen ausmachen, da es viele ziemlich einzigartige Nationalparks gibt, die es zu durchwandern gibt. (Wer mehr ueber das Land wissen moechte, kann sich das hier mal ansehen (Wikipedia) oder ich langweile ihn anschliessend mit meinen tausenden Digitalfotos zu Tode :-)
Fuer Backpacker (wie ich es jetzt auch bin :-) sind die Voraussetzungen ziemlich ideal, denn es gibt ein ziemlich gut ausgebautes Busnetz (Die Eisenbahn wurde nach einem Erdbeben vor nicht allzu vielen Jahren nicht mehr aufgebaut), wobei das Reisen mit dem Bus als solches auch etwas anderes ist als wir das aus Deutschland kennen. Es gibt recht moderne Busse (bei der Klimanlage heute im Bus habe ich mich bei 28 Grad Aussentemperatur ganz zielsicher erkaeltet), aber hier fahren auch diese klassischen amerikanischen gelben Schulbusse herum. (Fuer Leute wie ich, die noch nicht in den USA waren: Sie sehen wirklich so aus wie wir das von den Simpsons kennen ;-) . Die zu ueberbrueckenden Strecken sind auch nicht sehr gross, allerdings erreicht man selten einen Schnitt von ueber 40 km/h, da die meisten "Strassen" einen Dauertest fuer jedes Chassis darstellen.
Los gehts meistens morgens um 6 und dann faehrt man 2 - 8 Stunden, um an sein Ziel zu gelangen. Generell startet ein Tag hier etwas frueher, da es ab 6 hell ist um ca. 17:30 wieder dunkel. Erstaunlicherweise macht mir das fruehe Aufstehen aber relativ wenig Probleme, obwohl ich ein grosses Schlafdefizit haben muesste.
Ansonsten sieht es fuer mich hier so aus, dass ich von Nationalpark zu Nationalpark reise und ab und zu einen Abstecher an irgendeine Kueste mache. Costa Rica liegt netterweise am Atlantik und Pazifik, so dass man auch fuers Baden und Surfen ideale Voraussetzungen hat.
Heute bin ich sogar nach Granada in Nicaragua gefahren, von wo ich auch diese mail hier schreibe. Vermutlich werde ich noch ein paar Tage hier bleiben und eine "Doppelvulkaninsel" im Laguna Nicaragua besuchen, bevor ich wieder zurueck nach Costa Rica reise.
BTW, Nicaragua generell ist nicht so unsicher wie immer behauptet wird. Wer "Bombenstimmung" erleben will, der ist momentan in Bagdad oder Jerusalem wohl "besser" aufgehoben, aber wild um sich schiessende Sandinisten rennen hier jedenfalls nicht rum. Falls ich es in den naechsten Tagn doch in die Tagesschau schaffe, war ich wohl zu optimistisch. :-)
Die Sicherheitsproblematik ist ohnehin nicht ganz so gross wie immer behauptet, aber natuerlich heisst es "Watch your back and watch your bag!". Als latent paranoidem Deutschen, der ohnehin alle 10 Sekunden fuehlt, ob das Geld noch da ist, ist mir bislang aber noch nichts passiert. :-)
Vielleicht noch etwas zu den Leuten hier. Da waeren erstaunlicherweise zunaechst die Einheimischen, die sich selbst Ticos und Ticas nennen (Bitte selbst nachschlagen, welches die maennliche und welches die weibliche Endung ist! ;-) und die auch ziemlich freundlich sind. Ich habe leider noch nicht so viel von der Lebensart mitbekommen, aber es ist generell so, dass man hier alles eher mit einem Laecheln nimmt ("Relax, man!"). Vermutlich wird man hier auch mit nem Laecheln vom Auto ueberfahren, aber das wollte ich nicht verifizieren. :-)
Die Ticas sehen uebrigens meistens recht gut aus, auch wenn eine latente Tendenz zur Breitarschigkeit besteht, aber vielleicht ist das nur der US amerikanische Einfluss. :-)
Mehr zu tun habe ich "logischerweise" mit den Touris hier, was bislang auch nur dazu gefuehrt hat, dass ich mein Franzoesisch und Englisch verbessern konnte, mein Spanisch liegt leider immer noch ziemlich brach, aber ich arbeite daran.
Wenn man Europaeer trifft, sind diese mit 90%iger Sicherheit Schweizer. KA, warum die alle hierher kommen (CR gilt zwar auch als die "Schweiz Mittelamerikas", aber das bezieht sich eher auf die Neutralitaet), aber ich habe schon sehr viele getroffen. Ansonsten gibt es hier viele Kanadier und natuerlich Amis. Letztere kann man sehr gut in drei Gruppen einteilen.
1. Backpacker: meist recht freundlich, informiert, interessiert und bekennende Bush-Hasser :-)
2. Leute "mittleren Alters", die mindestens schon zum dritten mal hier sind: meist freundlich, etwas oberflaechlich, aber harmlos
3. Leute jenseits der 60, die in ganzen Busladungen zu irgendwelchen Parks gekarrt werden und jedes Klischee eines daemlichen Amis bestaetigen.

Wenn man aber nur etwas abseits der klasschichen Touriwege unterwegs ist, trifft man fast nur nettes Volk aus allen Herren Laendern, was einen betraechtlichen Teil des Spasses dieses Urlaubs fuer mich ausmacht.

Die obligatorische Frage nach dem Wetter will ich nicht aussen vor lassen. Es gibt hier keine Jahreszeiten, sondern nur Regen- und Trockenzeit, wobei momentan gerade letztere herrscht und damit auch die Hauptreisezeit. An den Kuesten ist es grundsaetzlich heiss, menchmal auch sehr heiss. Ich war bislang im Landesinneren etwas hoeher und im Regenwald, wo es mir bei ca. 20 Grad ziemlich gut ging, aber an den Straenden werde ich bluten...schwitzen muessen. Lichtschutzfaktor 50 wird hoffentlich der Freund sein, der die Folgen in Grenzen halten kann.

Soviel erste Eindrucke bis hierhin, beim naechste mal melde ich mich wohl wirklich mal aus CR und erzaehl, was mir bis dahin passiert ist.

Vielen Dank nochmal an alle, die mir so kurzfristig geholfen haben oder helfen wollten, das aber nicht mehr konnten, weil ich schon "fully equipped" war. Ist echt ein schoenes Gefuhl, so viel spontane Hilfsbereitschaft in meiner Umgebung vorzufinden! Danke an Mareike, denn dank ihr habe ich den laengsten....Rucksack, zumindest faellt er immer etwas auf und macht das Wiederfinden leichter. Danke auch an Christian, denn mit dem Ladegeraet kann man sogar Frauen aufreissen ("Ah, my battery charger does not work." "You wanna use mine?" "Oh, thanks, what's your name?"...schon zwei mal erlebt. :-))) Aber auch Danke an alle anderen, die mich ausgestattet haben und fuer die guten Wuensche usw.!

Viele Gruesse!

  Micha aka Shorty (4 some of U :-)